Vor der Männlichkeit…

Wie war es für mich als Mann bevor ich mich mit dem Thema Männlichkeit befasst habe?

Diese Frage wurde verschiedensten Männer gestellt, worauf die Antworten unterhalb zu lesen sind. Desto mehr MANN sich mit anderen Männern austauscht, desto mehr erkennt MANN die oftmaligen gleichen inneren Zustände.

Männerstimmen

Schon zu Beginn meines Lebens als Erwachsener konnte ich Grenzen nicht spüren. Meine Eltern und vor allem mein Vater setzten mir zu wenig Grenzen, wodurch ich als junger Erwachsener regelmäßig über die Stränge schlug. Im Grunde haschte ich nach Aufmerksamkeit. Ich verletzte sehr viele Menschen und baute Scheiße am laufenden Band, um indirekt meinen Selbstzerstörungstrieb zu erfüllen. Beziehungen setzte ich permanent aufs Spiel – vor allem die Beziehung zu mir selbst. Mein permanentes Gefühl der Schwäche wollte ich damit überlagern. Das Gefühl der Schwäche war in Gegenwart von sogenannten Alpha-Männern am größten. Einige einschneidende Erlebnisse in meinem Leben veranlassten mich, mich mit mir auseinanderzusetzen.

Alexander

Ich war sehr verletzt von der letzten Beziehung, wusste beruflich nicht wohin, verärgert über meinen Vater und war generell sehr unbewusst und unerfahren hinsichtlich der Männerthemen wie Intimität mit Männern, Sexualität mit Frauen und meiner beruflichen Vision.

Franz 

Der Anblick von meinen Männer-Freunden, die keine eigene Entscheidungen mehr trafen, sondern immer Rücksprache mit der Freundin führten war furchtbar. Meine eigene Beziehung lief schlecht, bis ich erkannte, dass ich meinen Freunden sehr ähnlich war. Ich stellte mir selbst die Frage, welcher Mann in mir steckt und wo meine eigene Männlichkeit ist. 

Michael

Mir war damals nicht klar, dass mein Selbstbewusstsein schwach war. Ich war regelrecht in einer Tretmühle gefangen und habe nur ein Teil meiner Kraft gelebt. In Beziehungen konnte ich nicht als starker Partner führen, der ich sein hätte können. Es war so, dass ich in meinen Beziehungen nicht das volle Potential ausschöpfen konnte. Beruflich habe ich mir durch einen mangelnden Selbstwert und Mut einige Wege nicht genommen, die ich hätte gehen sollen. 

MO

Als ich 27 Jahre war, scheiterte meine Beziehung zu meiner damaligen Freundin krachend. Ich glaubte als Mann müsse man arrogant zu seiner Freundin sein. Ich wollte nicht einmal eine Beziehung zu der Frau. Aus Bedürftigkeit ging ich sie trotzdem ein. Danach versuchte ich in der Frauenwelt Fuß zu fassen und bekam es kaum auf die Reihe eine Frau überhaupt anzusprechen. Ich versuchte meine Ansprechangst und Schüchternheit mit Alkohol zu kompensieren, was kläglich scheiterte. Ich verstand die Welt nicht mehr. Warum brachte ich es einfach nicht auf die Reihe? Ich verlor mich im Online-Dating, wo ich nur Absagen erhielt. Abgelenkt habe ich mich ständig mit Pornos, Frauen und übermäßigem Alkoholkonsum. Alles nur um meine eigene Traurigkeit, Einsamkeit und Unsicherheit nicht fühlen zu müssen. Ich brannte regelrecht körperlich aus und konnte es nicht einmal einordnen. Ich spürte mich selber nicht und hastete von einer Ablenkung zur Nächsten. Zudem suchte ich stets nach Bestätigung im Außen, was mich auch oft in den Wahnsinn trieb, wenn ich sie mal nicht bekam. 

David

Mit Ende 30 hatte ich erreicht was viele wohl als glückliches Leben bezeichnen würden. In einer Ehe mit toller Frau, die eine bezaubernde Tochter hervorbrachte, langjährig Selbstständig mit eigener Firma hatten wir gerade ein attraktives Einfamilienhaus im Grünen gebaut. Mein Leben schien perfekt – jedoch nur an der Oberfläche. In meiner Gefühlswelt war ich krankheitsbedingt weit gereist und hatte parallel viel aufgebrochen und bearbeitet. Gesundheitlich hatte ich ungeahnte Kräfte aufgeboten und psychosomatischen Boden erreicht – mit Erfolg. Was ich aber nicht verändern konnte und wo ich gegen Wände lief, wardie intime und körperliche Nähe mit meiner Frau. Dort wo ich keine Antworten fand und keine neue Paartherapie, kein Ratgeber und auch kein Youtube-Experte half. Zunehmend verunsichert und traurig brauchte ich Antworten auf meine Fragen und noch viel mehr Entscheidungen, die mir halfen wieder zurück zu mir selbst und meinen ureigenen Bedürfnissen zu finden.

Florian

Ich hatte keine eigene Ausrichtung und war seht getrieben. Ein Vorangehen gab es nicht bei mir, stattdessen kreiselte ich herum und wählte den Weg des geringsten Widerstands, in dem ich immer die selben Verhaltensmuster und Strategien angewendet habe. Ich wurschtelte mich durch. Mir fehlten die männlichen Vorbilder und mein Vater hatte die selben Methoden wie ich. Überzeugungen wurden nie hinterfragt und Führung war Fehlanzeige. Von meinem Vater und meine Trainer lies ich mich nicht führen, weswegen ich irgendwann alles alleine machte. 

Erwin

Ich hatte in meinem Leben keine wirklichen männlichen Vorbilder und habe keine erfüllende männliche Art zu leben vorgelebt bekommen. Dazu kommt, dass ich keine Geschwister habe und daher keine engere Bindung zu einem Bruder aufbauen konnte. Das hat in mir eine unbewusste Sehnsucht erzeugt, die ich erst viel später in meinem Leben erkannt habe. Ich habe zwar ein paar gute Freunde, war aber zu einem großen Teil Einzelkämpfer und habe Geborgenheit und Liebe in der Partnerschaft mit Frauen gesucht. Das damit verbundene Gefühl der Abhängigkeit und Bedürftigkeit stand oft in Konflikt mit meiner Freiheitsliebe. Ich habe mich auch oft von den negativen Gefühlen und Dramen meiner Partnerinnen mitreißen lasse, was in mir Gefühle der Verzweiflung und Überforderung ausgelöst hat. Dass mir Männer von Herzen kommende Kraft, Liebe und Nähe schenken können, habe ich mir als heterosexueller Mann nicht vorstellen können- Insofern bin ich zutiefst dankbar, Teil einer starken und herzlichen Männergemeinschaft geworden zu sein, mit deren Hilfe ich auf meinem Weg der Männlichkeitsentwicklung immer weiter voranschreiten kann. 

Christian

Ich war 21 Jahre alt, als mir langsam dämmerte, dass man im Leben nichts geschenkt bekommt. Zu diesem Zeitpunkt war ich 2-fach geküsste Jungfrau und ahnungslos bei Frauen. Einsamkeit, Ahnungslosigkeit und Orientierungslosigkeit waren schlechte Bestandteile dieses Cocktails. Das Bedürfnis nach Nähe zum weiblichen Geschlecht war zwar da, doch schier in nicht greifbarer Nähe. Was aber noch viel schlimmer war, war die Fehlannahme ich könne nichts an meiner Situation ändern. Bei Frauen war ich auf Grund fehlender Erfahrung daher nervös, agierte überhastet und seltsam. Der Erfolg anderer Männer machte mich oft eifersüchtig. 

Florentin

Ich war abhängig von Frauen und konnte mir kein eigenständiges Leben vorstellen. Ich hatte kein Lebensziel und konnte deshalb auch nicht mein Leben selbst beschreiben. Ich hatte keine Führung in meiner Beziehung und habe mich in einem öden Leben wie gefangen gefühlt. 

Danny

Schon früh habe ich durch vermeintlich aggressives und dickköpfiges Verhalten meine Eltern teilweise zu Verzweiflung gebracht. Rückblickend waren es Hilfeschreie und ein destruktives Ausleben meiner natürlichen Aggression. Ich sehnte mich einfach nach männlicher Präsenz, nach Verständnis für mein schelmisch-lausbubenhaftes Verhalten. Fehlanzeige! Stattdessen kapselte ich mich von meiner männlichen Essenz ab, wollte es anderen recht machen und gefallen. Als „Nice Guy“ fiel es mir schwer, in Kontakt mit Frauen zu treten und wahrhaftig tiefe Verbindungen und Beziehungen aufzubauen.

Simon

Ich war insgeheim auf der Suche nach etwas, dass mich aus den wiederkehrenden Beziehungsmustern zu Frauen herausholt, um ein Bewusstsein zu den Dynamiken entwickeln zu können. Ich war sehr verschlossen, ohne Ziele und konnte nicht wertschätzen mit dem wichtigsten Menschen mit mir alleine Zeit zu verbringen. Ich suchte vor allem beruflich nach Ablenkung bis zum Ausbrennen. 

Markus

Bevor ich mich mit dem Mann sein beschäftigt habe, war ich sehr am Femininen orientiert. Ich pflegte Freundschaften mit Frauen, genoss Alkohol und lenkte mich viel mit TV und Filmen ab. Beziehungen waren stark von Verlustängsten und Klammerein meinerseits behaftet. Von maskuliner Führung innerhalb einer Partnerschaft hatte ich damals noch nie gehört, und wenn, hätte ich es wahrscheinlich abstoßend gefunden – ein typischer Nice-Guy eben. Ich habe alles dafür getan, dass die Frauen mich mochten, wobei ich damit nicht erfolgreich war. 

Florian